Propylenglykol: Wo der Stoff im Alltag wirklich steckt
đ Das Wichtigste vorab
- Chemisch mit Ethylenglykol verwandt, aber deutlich weniger giftig.
- Als E 1520 nur TrĂ€ger fĂŒr Aromen, Farbstoffe oder Enzyme, keine eigenstĂ€ndige Zutat.
- In Kosmetik und Arzneimitteln hÀlt der Stoff Feuchtigkeit und transportiert Wirkstoffe.
- Als Frostschutz senkt er den Gefrierpunkt von Wasser spĂŒrbar ab.
- Die Lebensmittel-Zulassung sagt nichts ĂŒber das Einatmen erhitzter DĂ€mpfe aus.
Was ist Propylenglykol chemisch gesehen?
Der Name Propan-1,2-diol steht fĂŒr einen zweiwertigen Alkohol. Die Stoffeigenschaften zeigen eine ölige, fast geruchlose FlĂŒssigkeit mit Siedepunkt 188,2 Grad Celsius. Sie ist hygroskopisch: Sie zieht Feuchtigkeit aus der Luft an und hĂ€lt sie fest. Industriell entsteht sie durch Hydratisierung von Propylenoxid.
HĂ€ufig kommt es zur Verwechslung mit Ethylenglykol, dem Frostschutzmittel fĂŒr AutokĂŒhler. Toxikologisch sind die Stoffe grundverschieden: Ethylenglykol gilt als giftig, dieser Stoff deutlich weniger.

Als Lebensmittelzusatzstoff: Was bedeutet E 1520?
In der EU ist Propylenglykol unter der Nummer E 1520 zugelassen. Er gelangt nicht als eigene Zutat ins Essen, sondern als TrĂ€gerstoff fĂŒr Zusatzstoffe, Aromen, Enzyme oder NĂ€hrstoffe.
Ăber diesen TrĂ€gerweg darf die Menge im fertigen Produkt 1.000 Milligramm je Kilogramm nicht ĂŒberschreiten. FĂŒr die tĂ€gliche Aufnahme gilt ein ADI-Wert von 25 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht, bestĂ€tigt durch die Neubewertung durch die EFSA 2018 (Quelle: EFSA, 2018). Im Körper erfolgt der Abbau gröĂtenteils zu MilchsĂ€ure und BrenztraubensĂ€ure.
Auf der Zutatenliste taucht E 1520 hĂ€ufig nicht eigens auf, da TrĂ€gerstoffe nicht immer gesondert gekennzeichnet werden mĂŒssen.
In Kosmetik und Arzneimitteln
In Hautcremes, Zahnpasta, Mundwasser und Deos wirkt der Stoff als Feuchthaltemittel. Auf Verpackungen steht er in der INCI-Liste unter „Propylene Glycol“. Er bindet Wasser in der Formulierung, wodurch Cremes geschmeidig bleiben. In Arzneimitteln dient er als Lösungs- und TrĂ€germittel fĂŒr Wirkstoffe.
Vereinzelt sind allergische Hautreaktionen beschrieben worden. Wer Rötungen bemerkt, kann auf der INCI-Liste danach suchen und im Zweifel Àrztlichen Rat einholen.
Als Frostschutz und in technischen Anlagen
In WĂ€rmetrĂ€gerkreislĂ€ufen wie Solarthermie-Anlagen schĂŒtzt der Stoff zirkulierendes Wasser vor dem Einfrieren. Ein Gemisch aus gleichen Teilen Wasser und Propylenglykol gefriert erst bei minus 35 Grad Celsius. Wegen geringerer Giftigkeit kommt er dort zum Einsatz, wo KĂŒhlkreislĂ€ufe mit Lebensmitteln in BerĂŒhrung kommen könnten, etwa in Brauereien.
Auch bei der Flugzeug-Enteisung spielt er eine Rolle: EnteisungsflĂŒssigkeiten auf Glykolbasis werden vor dem Start auf Rumpf und TragflĂ€chen gesprĂŒht. In Nebelmaschinen auf BĂŒhnen oder bei FeuerwehrĂŒbungen sorgt der verdampfte Stoff fĂŒr dichten Nebel.

| Bereich | Aufgabe | Aufnahmeweg |
|---|---|---|
| Lebensmittel (E 1520) | TrĂ€gerstoff fĂŒr Aromen, Farbstoffe, Enzyme | Essen |
| Kosmetik | Feuchthaltemittel in Cremes, Zahnpasta, Deos | Haut |
| Arzneimittel | Löse- und TrĂ€germittel fĂŒr Wirkstoffe | Essen / Haut |
| Solarthermie, Heizungsanlagen | Frostschutz im WÀrmetrÀgerkreislauf | Kein Körperkontakt |
| Flugzeug-Enteisung | Verhindert Eis- und Schneeansatz | Kein Körperkontakt |
| Nebelmaschinen | Erzeugt sichtbaren BĂŒhnennebel | Einatmen |
| E-Liquids | Verneblungsmittel und AromatrÀger | Einatmen |
In E-Liquids fĂŒr E-Zigaretten
Die Basis der meisten Liquids fĂŒr E-Zigaretten bilden Propylenglykol und Glycerin. In einem Liquid dienen beide als Verneblungsmittel und als TrĂ€ger, in dem sich Aromastoffe und gegebenenfalls Nikotin lösen.
Beim Erhitzen können jedoch krebserzeugende Aldehyde entstehen. Ăber die Langzeitfolgen des Einatmens ist beim Menschen bislang nichts bekannt. Die Lebensmittel-Zulassung gilt nur fĂŒrs Essen kleiner Mengen, nicht fĂŒrs Einatmen eines erhitzten Aerosols.
đĄ Hintergrund im Ăberblick
- ADI-Wert: 25 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag (Quelle: EFSA, 2018)
- Höchstmenge ĂŒber TrĂ€gerstoff-Funktion in Lebensmitteln: 1.000 mg je Kilogramm
- Siedepunkt der reinen FlĂŒssigkeit: 188,2 Grad Celsius
- Mischungen mit Wasser senken den Gefrierpunkt deutlich ab
- Abbau im Körper hauptsÀchlich zu MilchsÀure und BrenztraubensÀure
Wie gefÀhrlich ist Propylenglykol wirklich?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist der Aufnahmeweg. Beim Essen bewegt sich die Aufnahme nach EFSA-EinschÀtzung unterhalb der erlaubten Tagesdosis.
Auf der Haut gilt Propylenglykol als wenig problematisch, auch wenn vereinzelt allergische Reaktionen vorkommen. Beim Einatmen erhitzter DĂ€mpfe fehlen dagegen gesicherte Langzeitdaten. Essen, Haut und Einatmen lassen sich bei Propylenglykol also nicht gleich bewerten.

